Die Aufzucht der Babyschildkröten
(von Marion Minch)

Um es vorweg zu nehmen: Die Aufzucht der Jungtiere unterscheidet sich nur unwesentlich von der Haltung der adulten (also ausgewachsenen) Tiere.

Terrarium

Das Terrarium der Jungtiere muss im Gegensatz zu dem der großen Tiere etwas feuchter gehalten werden.
Als Bodensubstrat haben sich augestochene Grasnarben und für die Schlafecken Sphagnum Moos hervorragend bewährt.
Viele Versteckplätze in Form von Korkrinden u.ä. erlauben es den Jungtieren jederzeit sich in Sicherheit zu bringen. Unter den Versteckplätzen sollte das Substrat schön feucht (aber nicht nass!) sein. Die Substrathöhe sollte adäquat zur Panzerhöhe sein, am besten ist es, wenn diese ca. das doppelte der Panzerhöhe ausmacht. So ist gewährleistet, dass die Schildkröten jederzeit unter dem Substrat  eingegraben sein können, und die Panzer somit glatt wachsen können.

Als Beleuchtung sollten im Sonnenbereich auf alle Fälle Spotstrahler zur Verfügung stehen. Die Tiere müssen die notwendige Betriebstemperatur von ca. 40 Grad darunter erreichen können.

Die Terrariengrundfläche sollte so großzügig wie möglich ausfallen. Denken Sie bitte immer daran, dass die Schildkröten lauffreudige Tiere sind und je größer die Lauffläche ist, desto gesünder können die Tiere heranwachsen.

Als Mindestterrariengröße würde ich kein Terrarium unter 100 cm x 50 cm empfehlen. Das Terrarium sollte oben offen sein (also keine geschlossenen Terrarien verwenden, welche ausschließlich für Schlangen und andere Reptilien geeignet sind).

Futter

Das Futter der Jungtiere unterscheidet sich nicht  von dem der adulten Tiere.

Bei Jungtieren fällt immer wieder auf, dass sie "abgeschnittenes Futter" nicht  so gerne annehmen wie Futter, das sie selbst abreißen können. Ein Instinkt der ihnen angeboren scheint :-)
Bei Gräsern ist darauf zu achten, dass diese immer kurz geschnitten sind und die Schildkröten sie so genüsslich abfressen können.

Futtervorschläge finden Sie unter www.schildifutter.de :-)

Einen wirklich gut gemeinten Rat noch:
Bitte geben Sie den Jungtieren weder Schildkrötenpellets aus dem Zoohandel (Agrobs ausgenommen) noch zu zartes Futter. Die kleinen sind mit allem was sie zum überleben ausgestattet und sie können auch schon sehr gut hartes Futter wie. z.B. die Strünke vom Löwenzahn etc. knacken und fressen. Die Natur hat sie da wunderbar auf ein selbständiges Leben vorbereitet :-)

Wichtig ist auch eine ausreichende Kalkversorgung. So sollten Sepiaschalen (das harte an der Rückseite bitte entfernen .. das sollte man auch für die adulten Tiere immer entfernen) und andere Kalkprodukte wie z.B. Calcio-Reptin immer zur freien Verfügung stehen, damit sich die Tiere  daran bedienen können, wenn der Bedarf bei ihnen vorhanden ist.

Wasserversorgung

Schildkröten sollten ihr Trinkbedürfnis immer befriedigen können. Es sollte also zu jeder Zeit eine Trinkmöglichkeit vorhanden sein. Da viele Schildkröten während ihrem Bad auch ihre Hinterlassenschaften absetzen, sollte die Trink-Badeschale mindestens zwei Mal täglich geleert und gereinigt werden.

Speziell für Sternschildkröten gilt:
Diese Tiere halte ihre Urate und den Urin insgesamt sehr gerne zurück und geben die Salze (Urate) somit nicht häufig genug ab. So kommt es bei dieser Schildkrötenart vermehrt zu Nieren- und Blasensteinen. Um dem vorzubeugen, sollte man diese Tiere ein Mal pro Woche in einem handwarmen Bad baden, damit sie diese Urate ausscheiden. Andere Schildkrötenarten sind mir bislang nicht bekannt, die dieses Verhalten zeigen würden. Bei meinen anderen Schildkrötenarten würde ich dies auch nicht machen, denn zwangsmäßiges baden verbinden die Schildkröten  mit extremem Stress. Sie koten und urinieren aus diesem Grunde dann zwar ab, aber diese Notabgaben sind für eine Schildkröte normalerweise nicht notwendig, da lasse ich sie lieber in Frieden und selber die Badeplätze nur nach belieben aufsuchen :-) Um es nicht falsch zu verstehen: Sternschildkröten brauchen trotzdem ihre tägliche Badeplätze auch wenn man sie zusätzlich ein Mal in der Woche badet!

 

Außengehege

Auch Jungtiere sollten schon vom Schlupfjahr an ins Freigehege kommen.
Die natürliche Sonne ist durch nichts auf der Welt zu ersetzen!

Im Außengehege ist darauf zu achten, dass sowohl Schattenplätze als auch Sonnenplätze vorhanden sind. Eine geeignete Bepflanzung mit Futterpflanzen und Futtergräsern ist anzuraten, damit sich die Tiere selbst im Gehege versorgen können.

Die Größe des Außengeheges sollte um ein Vielfaches größer ausfallen, wie die des Innenterrariums. Man darf nie vergessen, dass bei den Tiere ihre Darmtätigkeit durch die Bewegung in Gang gebracht wird. Ein zu kleines Gehege bringt demnach auch gesundheitliche Nachteile mit sich. Wenn bei den Tieren ein geheiztes Schutzhaus angeboten wird, dann kann man sie auch im Sommer bei jedem Wetter draußen im Freiland halten. Ansonsten kann man sie auch an kühlen Tagen in das leicht wärme- überschlagene Innenterrarium setzen. Sobald das Wetter einen Freilandaufenthalt der jungen Schildkröten wieder zulässt, sollte man ihnen diesen auch wieder ermöglichen.

 

Einrichtungsgegenstände

Für Jungtiere sollte man folgende Gegenstände immer vorrätig haben: